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Elbspitze Regen, Kälte, Leiden am 14./15.07.12

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Kommentare

  • Bin bislang größtenteils mitleser hier, war allerdings bei eurer elbspitze präsentation bei fahrrad xxl dabei und wollte hier schonmal meinen helm ziehen vor jedem, der sich dieser extremen herausforderung gestellt hat! ihr seid großartig! bin auf ähnlich packende berichte wie vom letzten jahr schon gespannt! und beileid wegen dem wetter! nächstes jahr muss das dann aber einfach mal besser werden! schl
    echter wäre wahrscheinlich auch kaum mehr möglich!
  • bearbeitet July 2012
    Langer Bericht folgt demnächst ... in aller kürze ...
    Das war die dramatischste Elbspitze bisher, die Strecke etwa gleichschwer wie letztjahr, aber das Wetter war unübertroffen. 2 Windetappen, 2 Kaiserwetteretappen und dann 1 Vollregenetappe und dann zum Schluss nochmal die Sonne gesehen!
    Neben Platten in Podgorzyn ist nichts leidenschaftlicher, als bei Dauerregen, bei km 530 gegen 04:50 Uhr ins Rossfeld zu fahren.
    Da geht echt nichts drüber.
    Aber die Zillertaler Höhenstraße bei Regen und 6°C nur mit Hinterrad runterfahren haut auch rein ohne Ende!
    Zwei HC Momente gab es: 1. als in Solla am Abend sich alle über den geilen Berg gefreut haben und 2. in Vichtenstein, einer der besten Momente in meinem Radsportleben!
    HC war aber auch Rene plötzliche Hinterradblockieraktion mitten in der Nacht in der Abfahrt, mitten im Feld. Bei der Light hätte es da gnadenlos 10 Mann abgeräumt, aber diesmal hatten wir Glück!
    Der Wirt hat sich für HC entschieden und mich gewinnen lassen, aber ich werde das Gelbe trotzdem stolz tragen, im Wissen nur am Gerlos gechillt gefahren und zweitaktivster und zweitbester BergFahrer gewesen zu sein.

    ES13 wird so der Hammer, hoffentlich schneits!
  • Einfach ein Traum die ES 2012 :)
    Einen Bericht von mir gibt´s wenn ich drüber geschlafen habe und es etwas gesackt ist.

    Sirko´s Wunsch nach Schnee teile ich ...
  • Servus,
    An alle Starter erstmal Hochachtung sich auf so einen Höhepunkt vorzubereiten, an alle Finisher: "Hut ab". An dem Tag war echt Wind und Wetter, auch bei uns im Arzgebirg hats mächtig mit 4-5 geweht und ihr seid durchgezogen. Dann bei Nacht und Regen und Kälte sich selbst zu überwinden und nicht auszusteigen, das ist Willensstärke.
    Gratulation an alle neuen und alten Trikotträger. Dass der Stephan am Berg so einiges reißen kann und noch mächtig was vor sich hat, hab ich schon vor 2 Jahren gesagt. Alle Achtung
    Sten - ohne Worte! Glückwunsch
  • Auch von mir ein "Hut ab" bzw. "Helm hoch" an alle die, die die Elbspitze 2012 erfolgreich beendet haben und der Versuchung widerstanden haben, bei diesen Hasswetter in den kuscheligen Bus zu steigen. Gratulation den Siegern der einzelnen Wertungen; die zugehörigen Trikots dürft ihr jetzt mindestens ein Jahr lang mit mehr als nur stolzgeschwellter Brust spazieren fahren. Ich bin gespannt auf eure Berichte!

    Cheers,
    Daniel
  • bearbeitet July 2012
    Trikotwertung:
    Gelb: SirkoB
    Berg/HC: StenW
    Rot: RobertP
    Weiß: StefanM
    Blau: AxelH
    Finisher: LarsW, AlexS, ThomasR, MarcelH, ReneE
  • wer ist maikh? in mittersill waren es doch nur noch 11 fahrer inkl. AndreK, der aber
    nicht mehr in der werung lag, also 10 finisher oder?
  • bearbeitet July 2012
    Ihr habt Jens (der wesentlichen Anteil daran hat, dass der Melchboden doch noch angesteuert wurde) vergessen, also hier nochmal die Zieleinfahrt von Rennleiternotizen:
    1. Sirko Bubel (Gelb)
    2. Sten Währisch (HC)
    3. Lars Weinhold
    4. Robert Petzold (aktivster Fahrer)
    5. Axel Hense (Grand Master)
    6. Jens Köppel
    7. Alexander Steiner
    8. Marcel Harnisch
    9. Thomas Rex
    10. Rene Eschler
    11. Stephan Mesow (Bester Jungfahrer)
  • Stimmt glaub auch nicht ganz. (???)
  • bearbeitet July 2012
    [cite] axscoach:[/cite]Stimmt glaub auch nicht ganz. (???)
    Doch es waren genau die 11 wie Sirko geschrieben hat !!! Reihenfolge müsste auch so hinkommen.

    Außer Wertung war noch AndreK irgentwo dazwischen mit angekommen.
  • Wirklich hartes Radfahren betreibt gerade meine Tochter: die ist seit 10 Tagen bei diesem P…wetter zwischen Ostsee, Nordsee und DD unterwegs, mit Übernachtung im Zelt. Sie muss klar kommen ohne tollen Helfer/innen, die an jedem Hügel mit Getränken, Essen und Anfeuerungsrufen warten. Ohne freundliche Fahrer von Begleitfahrzeugen, die einem mal schnell eine Wetterjacke und ein Stück Tapete reichen, wenn es mal gar zu kalt und windig wird. Ohne die unermüdlichen und selbstlosen Mitstreiter, die nahtlos vom Fahrer/in zum Anfeuerer/Helfer/Versorger gewechselt haben. Einfach wirklich großartig, diese Rundumbetreuung. Dadurch war für mich die Elbspitze zu fahren (bitte jetzt keine Überheblichkeit wittern!) wesentlich einfacher, als die Entscheidung zu treffen, Elbspitze zu fahren… Danke an Alle, die mir dieses großartige Erlebnis ermöglicht haben.
  • Hey Axel, danke für das Lob. Du bist mein persönlicher Held, wirklich. Von Sirko und Sten konnte man die Ergebnisse erwarten und ich freue mich sehr für Sirko das er endlich mal gewonnen hat und Robert einem der besten im Peloton, die für dieses Trikot viel investiert haben. Von Alex Steiner bin ich nicht überrascht, bei den Bedingungen war klar, dass er zu den wenigen Beendern zählt.

    Ich bereue auch heute meine Entscheidung in Schneitzelreuth auszusteigen überhaupt nicht. Diese Elbspitze war in Belangen Motivation, Vorbereitung und Wetter für mich ein großer Kampf, den ich mit meiner Aufgabe verlor, worauf ich sogar etwas stolz bin. Ich muss nicht immer zu den Stärksten zählen! Nicht etwa, dass ich körperlich am Ende war -nein- ich habe bei solchen Bedingungen einfach keine Lust mich zu schinden und da ziehe ich vor allen Beendern den Hut, dass sie das können.

    Wer sich jetzt hier für 2013 Schnee wünscht, ist für meine Begriffe (schon jetzt mal sorry dafür) nicht ganz dicht ;-) .... 2013 ist Elbspitze für mich noch weit weg, mich fasziniert ein möglicher Start beim RATA mit Jens und Carsten im Begleitfahrzeug.

    Ansonsten muss man den Helfern wie jedes Jahr ein dickes Lob aussprechen. Ihr seid großartig gewesen. Die Nudeln waren Weltklasse, leider habe ich nur einen Teller abbekommen und die Navigationskünste von Ecki in Salzburg in Verbindung mit dem Teamfunk auch.


    Ciao T.
  • tja, unser Fränk muss das Gelbe nun doch leider wieder abgeben :(
    War wohl nix, mit purer Leidenschaft :D
  • bearbeitet July 2012
    Sorry Alex, ich hoffe mal, daß ich hier etwas völlig falsch verstehe. Ansonsten würde ich sagen: Häme ist häßlich!

    P.S. zum Glück habe ich ja schon mal vorsorglich sorry geschrieben. Habs eben im TV gesehen. Fernsehen bildet eben doch manchmal...
  • [cite] klunschbäcker:[/cite]Sorry Alex, ich hoffe mal, daß ich hier etwas völlig falsch verstehe. Ansonsten würde ich sagen: Häme ist häßlich!

    Ich glaube der Alex meint das hier

    http://de.eurosport.yahoo.com/news/schleck-positiv-getestet-190236885.html
  • Auch von mir herzliche Glückwünsche an alle Teilnehmer,ob mit ,oder ohne Zieleinfahrt.Das rechtzeitige "Aufhören" ist keine Schande,sondern Vernunft,das zeigt wahre Größe.Dabei sein ist alles.Falls jemand die ES
    gerne bei Schnee fährt,kann man den Termin bestimmt um 6 Monate verschieben.Ich bin dann nicht dabei.
    Mich würden auch mal die anderen Berichte der "normalen" Finisher interessieren.
  • Elbspitz von Sirko

    Vorsorglich entschieden wir uns, die vierte Elbspitze in den Hochsommer zu legen, um die Chancen eine trockenen Tour zu maximieren. Das die wechselhafte Großwetterlage tatsächlich bis Mitte Juli durchhielt und unsere Hoffnungen zerschlagen könnte, das dämmerte mir schon einer Woche vor dem Start. Innerlich waren viele Teilnehmer darauf eingestellt. Ich selbst fragte meinen Pa nach seiner Regenjacke, weil das meine "Finisherchance erheblich steigern" würde, wie ich ihm begründete. Selber besitze ich keine Regenjacke, denn zu Zeiten des Regenradar tue ich mir keinen Regen an - das ist für mich ein einfaches Prinzip.
    Regen, kühle Temperaturen, eigentlich sollte mir das doch ziemlich entgegen kommen. Die richtige Ernährung während der Tour ist dann zwar ein besonders wichtiges Thema dann, aber kopfmäßig schätze ich mich stark ein, und je kälter desto besser. In der dritten und zweiten Woche vor der Elbspitze hatte es mich bei den langen Wochenendtouren um die 30° noch zuverlässig am Mückentürmchen aus den Latschen gekippt. Das hat mir auch mental zugesetzt. Alleine die letzte Tour 6 Tage vor Start mit Robert gab mir Selbstbewusstsein, aber da waren ja auch nur 18°C in Teplice.
    Überhaupt war eine perfekte Vorbereitung keine Selbstverständlichkeit für mich. Lange schon stand fest, dass ich nach einem zweiwöchigen Wanderurlaub mit meiner Freundin ja nur noch 3 Wochen haben würde, um den Motor irgendwie wieder zu starten. Ich nahm die Skikes mit und fuhr insgesamt nur 4 mal einen 300 Hm-Anstieg auf Anschlag hoch, außerdem noch 800 Hm auf Anschlag wandern. Grundlagentraining sieht anders aus. Aber irgendwie hatte ich Zuversicht, dass das gut war, und dass ich das mangelnde Ausdauertraining nach dem Urlaub noch aufholen könnte. Es folgten sehr intensive lange Radtouren an den Wochenenden und viele trainingsfreie Tage, Hauptsache nicht krank werden.

    Was auch immer kommen würde, die Elbspitze hatte sich schon jetzt für mich gelohnt. Ich zählte 3 richtig gute Aktionen, die ich ohne die Leidenschaft für die Langstrecke und die gezielte Vorbereitung der Elbspitze so nicht gemacht hätte. Die Skitour mit Alex, Riesengebirge mit Robert und die Skikeetappentour mit meiner Freundin. Alle drei Dinge hatten etwas gemeinsam: Es ging nur ums finishen, und man teilt mit einem wichtigen Menschen dieses Erlebnis. Das wünscht man sich auch immer für die Elbspitze, gemeinsam zu finishen. Genau darum ging es (mir) auch, als wir in großer Gruppe über den Gerlos rollten. Wir waren die Finishergruppe, 11 Mann die irgendwie seit km 570 zusammengehörten, die eine innere Einstellung teilten, wo sich die Starken effektiv für die Schwachen einsetzen. Ich empfand das als unser letztes gemeinsame Schaulaufen, und als wir von unseren vielen großartigen Fans bejubelt worden, da war ich mir sicher, dass es gut so war.

    Das war nicht immer der Geist, den das Elbspitzprojekt versprühte. Die Vorbereitungstouren empfand ich nicht als gelungen, dass hatte ich auch schon ganz offiziell geschrieben. Es hatte einfach wenig mit Elbspitze zu tun. Bei km 150 einen Berg hoch zu hacken ist nicht das gleiche, wie 700 km durchzuhalten. Natürlich hatten wir als Orgateam darauf hingewirkt, dass es Qualifikationstouren gibt, und wir werden das mit Sicherheit überdenken. Aber doch, wenn das ein Vorteil sein soll: Die Mannschaft hatte Qualität, sie lief ab der Böhmerwaldpause absolut rund, ab da war klar, dass wir durchkommen können, wenn wir nur wollten.
  • Als Walter und ich am Sonnabendmorgen schnell noch eine Semmel verschlangen trommelte draußen der Regen auf die Dächer. Mich macht sowas nicht mehr nervös, irgendwann muss man sowieso im Regen fahren, aber vielleicht ist es angenehmer, trocken zu starten. Dann doch noch schnell einen Blick auf das geliebte Regenradar, und siehe da, bis zum Start sollte es aufhören, also schnell Walter die Räder auf die Pritsche gegeben und ambitioniert zur Frauenkirche gerast, wo unter den Sonnenschirmen eines Cafés auch schon großes Getümmel war. Da sah ich auch zum ersten mal die Teamkleidung. Da war ich schon gerührt. An der Stelle muss ich auch meiner Freundin danken, die ab und an mit einen kritischen Blick auf die Entwürfe geworfen hatte. Das hatte sich gelohnt.

    Dann kamen Sven und Doreen noch dazu, und sieh mussten sich jetzt von 0 auf 100% ins Betreuerteamfügen, und der Rennleiter ist immer noch begeistert, wie fantastisch ihr mitgemacht habt. Als Fahrer spürt man auch ganz deutlich, wenn sportbegeisterte und absolut zuverlässige Leute mit anpacken, das galt nicht nur für die beiden sondern für das ganz Team.

    Nach der Belehrung und der obligatorischen Runde um die Frauenkirche rollte das Feld also langsam nach Possendorf und zum Rundteil hinauf, der einzige von vornherein neutralisierte Berg ;-) Trotzdem ließen Leute trotz des normalen Elbspitztempos schon reißen, da war ich gar nicht begeistert.
    Andrea hatte sichtlich Probleme das Bergtempo zu fahren. Prinzipiell kostet es nicht viel Zeit, aber der Rhythmusverlust nach jedem Sammeln ist doch enorm. Wie lange würde sie noch durchhalten?

    Bergwertung Nummer eins. Großes Schaulaufen. Schnell noch mal meine persönliche Favoritenliste der Elbspitze 2012 durchgegangen: Sten *****, Robert ****, Thomas **** und Rene ****. Zwar war ich im Frühjahr an zwei Qualibergen der schnellste gewesen, aber Robert war stärker, schon, und Rene hatte eine Superform zur Generalprobe unter Beweis gestellt. Bis dahin hatte ich selber also ***, aber da ich auf dem aufsteigenden Ast war, gab ich mir auch **** ;-)
    Das Auto hupte, Sten zog an und ich legte nur noch das 52er auf und sprang auf. Irgendwann in der Mitte wurde nochmal heftig das Tempo verschärf, wieder das 52er, und wie der Puls so kräftig über 180 klettert wird mir klar, dass HC aus eigener Kraft nicht möglich sein wird. Vorerst werde ich versuchen den zweiten Platz in der Bergwertung zu erkämpfen. Robert rollte nach Sten über die Linie, und ich hatte Thomas eigentlich sicher hinter mir, aber bei 10 Meter Sichtweite im Nebel ist das dann offenbar doch nicht so sicher, sodass es nur der vierte Platz war.

    Unter im Böhmischen Becken ging die ES dann richtig los. Der Wind weht kräftig, und zwar von vorn und von rechts. Eine ganze Feldseite war also ständig in Arbeit, und an der Spitze war es richtig übel. FAlex starte jetzt seine Offensive für das rote Trikot. Vielleicht 70 km stand er da vorn, sammelt 12 Punkte und verlor einige Körner. Doch das Team blieb im Zeitplan, der zwar viel Reserve hatte, aber auch nicht mit 4 bft SW-Wind geplant war.

    Bei der Pause wehte es die Teller weg, Müll flog durch die Gegend. Die Strecke würde noch lange windanfällig bleiben, ich war gespannt.

    Björn stieg aus. "Los Björn, nimm dein Rad und fahr wieder heim. Sind nur 300 km dann und du hast ab jetzt Rückenwind" sagte FAlex. So dumm war der Gedanke nicht, spart ja immerhin Plätze im Auto, aber Björn stellte sich dann als einer der wichtigste Motivatoren und Fans am Streckenrand heraus, das war viel wichtiger!
  • Andrea ging nochmal mit auf die Strecke. Ich wechselte mit ihr zweimal Luv- gegen Lee-Seite, denn sie hielt sich doch ganz konstant und müsste vielleicht nur geschont werden. Irgendwo hinter Plasy war sie dann aber ins Auto gestiegen, die Tour endete jetzt auch für sie. Plasy selber ist ja immer amüsant. Natürlich prahlen alle Bergfahrer dass sie da nicht (oder gar nie) fahren würden, und am Ende hält man doch mit rein, oder soll Jens da etwa 5 Punkte holen? Ich gab nicht alles, wechselte mich mit Rene in kurzen Intervallen ab, auf Platz drei und vier liegend. Im Zielsprint hatte ich einen Gang zu klein gekettet, ein läppiger Punkt sprang heraus aber ich schlug mit Rene ein, so macht Elbspitze Spaß. Dann noch 80 km das gleiche: viel Wind, vorne hält man kaum 5 km durch und das ganz Feld ist am Kämpfen. Die Autofahrer zeigten sich von unserer Idee, Sonnabend zu starten, gar nicht begeistert. Da wurde viel mehr gehupt als die Jahre zuvor, wir werden uns das merken!
    Richtung Böhmerwald wurde der Himmel wieder dunkler. Bei Prestice ging es gefühlte 10 km auf Umleitung, war das ärgerlich! Das heißt ja sofort, dass die nächste Pause 10 km später ist. Hoffentlich hält das Feld durch.
    Nun noch Regen, das wäre dramatisch. Als die Bergwertung eröffnet wurde, nieselte es aber nur leicht. Eine Viermanngruppe setzte sich ab, alle Favoriten außer Thomas dabei. Schon nach der ersten Kehre legte Sten mal kurz einen dicken Gang auf und platzte Robert weg. Rene und ich blieben dran bis zur nächsten Kehre. Aber dass war nur Vorbereitung für den nächsten Antritt, der HAC zeigte 400 W an und ich dachte mir, dass wir uns vor 4 Jahren noch mit 40 W weniger zufrieden gegeben haben. Ich kann das nicht mitgehen, lasse reißen, Rene fährt an mir vorbei und gibt mir zu verstehen noch nicht aufzugeben und sagt mir bald darauf, dass wir wieder ranfahren können im flachen. Wir wechselten schnell durch, nicht länger als eine Minute. Und tatsächlich kommen wir wieder näher an Sten heran und holen ihn letztendlich ein. Für eine Konterattacke fällt mir jetzt aber echt aerobe Kapazität, erstmal im Windschatten des Meister erholen. Sehr zügif geht es weiter bis der Wirt in der Serpentinengruppe auf 880 Meter Höhe wieder ernst macht. Diesmal lasse ich bei 380 W reißen, es geht einfach nicht. Ich drehe mich um, schaue Rene an. "Ich kann dir hier nimmer helfen Sirko" sagt er mir.
    Wir fahren also zügig weiter, die Zwischenabfahrt und dann mache ich gleich Druck, im Zielsprint habe ich gegen Rene keine Chance. Er lässt reißen und ich erreiche mal wieder als zweiter den Böhmerwald.

    In der Pause gibt es Kartoffelsuppe und schon einige gezeichnete Fahrer. Jens und Mike sagen mir, dass ich nicht gut aussehe, genau das wollte ich hören. Aber eigentlich fühle ich mich gut, also lass sie reden denke ich mir.
    Als Annina und Carsten den Pausenplatz erreichen haben sie gute Neuigkeiten: Blauer Himmel und trockenes Wetter im ganz Bayern bis zu den Alpen. Diese Nachricht haut rein und voller Zuversicht starten wir in den nächsten Abschnitt. Die Gruppe läuft jetzt super, Walter lässt sich auch ab und an mit vorne Blicken, da bekommt er gleich Punkte für Rot von mir. Die lange Steigung Richtung Grafenau ist noch angenehm mit dem Feld zu fahren, und dann geht es ewig lang endlich mit Rückenwind Richtung Bergwertung Solla. Es ist wie im Rausch. Satter Abendsonnenschein leuchtet die weit einsehbare bayerische Ebene aus, im Feld ist Superstimmung und nach ein bisschen Rumgepeile in Rammelsberg finden wir uns bald am Fuße der Bergwertung wieder. Mir entfährt nur noch ein leidenschaftliches "Boar Leute guckt euch das an, ist das ein geiler Berg" beim Anblick der steilen Rampe die nach 50 Hm im Wald verschwindet. Knackiger Stredohoribelag versüßt den Genuss, nur leider bekomme ich das kleine Blatt nicht drauf, und ich muss Sten und Thomas ziehen lassen. Letzterer ist also diesmal dafür zuständig, dass sich der Wirt wenigstens dafür anstrengen muss, wenn er hier schon fast alles abräumt.
  • Dann geht das Blatt doch noch und ich kurbel zügig auf Platz drei und kann mir die breiten Grinsen der Fahrer anschauen, wie sie in endlich Sommeratmosphäre hier oben ankommen. Lars macht mit Platz 4 der Bergwertung einen ersten Fingerzeig. Mein Pa der Rennleiter hat für die Bergwertungen extra Segelfahnen gebastelt, übelst genial ist das da durchzufahren.
    Wiederum geht es lang bergab bis zu B nach Passau, hier spule ich noch ein paar Führungskilometer ab um meinen Anspruch, wenigstens 15 km pro Abschnitt im Wind zu sein, gerecht werde. Im Abendrot überqueren wir die Donaubrücke in Passau und erreichen bald die Kuchenpause an der Grenze zu Österreich. Die Stimmung hat ihren Höhenpunkt erreicht. Ich denke mir, dass wir wahrscheinlich den schönsten Abschnitt gerade beendet haben und hoffe, dass der nächste trocken bleibt, denn in Richtung Süden war der Himmel doch wieder dicht bewölkt.
    Wir starten ohne JensW und Mike in den Nachtabschnitt. Die beiden hören auf wenn es am schönsten ist und nutzen den Bus, der diesmal aufgrund der miesen Wetterprognose nach Passau gekommen ist. Herzlichen dank an dieser Stelle an euch Busfahrer, dass ihr die Mühen aufgenommen habt, das hat uns sehr geholfen, auch wenn das Wetter bis Passau doch viel besser war als erhofft! Die Begleitfahrzeuge haben jetzt wieder Kapazität, das Feld hat bereits 5 Mann verloren und startet in den ersten Nachabschnitt. Ich fahre mir FAlex bis Kasten im Wind (der von hinten kommt, aber muss ja keiner wissen ;-)). Meine Ixon spinnt rum, geht an und aus, immer das gleiche, zuverlässig ist anders. Naja, das geht jetzt auch ohne Licht. Das Feld muss nochmal wenden und den Rennleiter vorbeilassen um die Bergwertung zu eröffnen. 250 Meter über unseren Köpfen, weit oben an den mächtigen Hängen des Donautal, wird die Kirche von Vichtenstein intensiv angestrahlt. Ein Bild für die Götter. Ein bisschen Resthelligkeit ist noch vorhanden, wenn man zwischen den Serpentinen in Lichtungen hinunter auf die Dörfer an der Donau blickt, und hinauf zu den Bergen 600 Meter über dem Wasser. Die Lichterkette schlängelt sich die Straße hinauf und während Sten vorn von vornherein wieder alles klar macht genieße ich erstmal mit Rene und Sebastian die Stimmung, denn die ist einmalig. Vichtenstein im dunkeln ist neben dem Sudelfeld am Morgen eine der größten Errungenschaften. Wir kommen direkt an der Kirche in Vichtenstein vorbei, und ab hier wird es plötzlich steil, um die 10 % und jetzt wird das Tempo schärfer. Rene ist noch dran als ich noch etwa 40 Höhenmeter hin die Bergwertung mit unheimlich vielen Leuten erblicke (spontan gesellten sich paar Österreicher einer Geburtstagsfeier dem Zieleinlauf hinzu). Also jetzt nochmal richtig hart, und dann drehe ich mich nicht mehr um sondern sprinte nur noch um zweiter zu werden, was auch gelingt.
    In Vichtenstein zeigt sich erstmals auch Thomas Rex und Stephan Mesow, die scheinen Substanz zu haben, und Lars schlüpft endgültig heraus aus der Neulingrolle hinein in die Rolle eines aktiv gestaltenden Fahrers.

    Die Lampentauschaktion mit meinem Pa misslingt und ich fahr weiter ohne Frontlicht, erstmal nur hinten vernünftigerweise. Ab Schärding lasse ich mich wieder ganz vorn blicken, das Feld strahlt eigentlich hell genug. Und hier vorn geht die Post ab. Robert hat entschieden auf rot zu fahren, fährt die ganz Zeit vorn. FAlex bäumt sich nochmal auf, nebeneinander fahren sie unzählige Kilometer, nur Robert hält vorn aus, im Kampf um rot zeichnet sich eine Wende ab.
    Ich nutze einen Platten zum erneuten Lampenwechsel, nehme wieder meine eigene Ixon, die wieder leuchtet und muss erstmal ein 300 Meterloch stopfen weil ich zu spät wieder loskommen. Bald ist die Pause erreicht, die Pasta im Magen versenkt und der Boden des Ruheraums mit Mensch bedeckt. Irgendwer verwettet seinen Arsch darauf, dass wir trocken durchkommen, ich bin mir ziemlich sicher dass es Regnen wird, so wie 2009.
  • Als wir starten haben wir auf den zwei schönen Abschnitten etwa eine Stunde herausgefahren, wir liegen 1:15 vor der Zeit, das ist eine echt hervorragende Nachricht! Und dann kommt es wie es kommen muss: Zuerst sind die Straßenränder feucht, dann nass, irgendwann auch in der Mitte, dann die Fahrspuren. Dann bekommt man erstmals Spritzwasser ins Gesicht bevor es dann endlich auch von ober anfängt zu nieseln, und mit Ortseingang Salzburg zu regnen.
    In einer kurzen Abfahrt verfängt sich Renes Jacke im Hinterrad, plötzlich blockiert es, mitten im Feld. Ich höre es nur noch brüllen. Vor mir breitet sich das Feld auf, ich sehe den driftenden Rene, wie er sicher vom Feld umfahren wird. Wahnsinns Radkontrolle von allen, vor allem von Rene!
    In Salzburg bleiben Leute an einer roten Ampel zurück, jetzt kann ich endlich meine Regenjacke anziehen, dauert aber trotzdem zu lange und ich erreiche als letzter die wartende Gruppe was mir peinlich ist. In Salzburg sind die Discos an den Ufern der Salzach kurz vor 4 gerade beendet. Hunderte Grölende Fans bejubeln das 21 Mann starke Fahrerfeld, wie es sich durch den Regen der Nacht in Richtung Salzburg fitzt, aber Salzburg ist schneller wieder verlassen als erhofft. Vorn wird druck gemacht. Ich sehe immer wieder ThomasR und Walter, es regnet richtig und irgendwie rollt die Gruppe. 14 km bis Berchtesgaden, also noch 10 bis Unterau denke ich mir. Schon überholt der Rennleiter, gibt die Bergwertung höchster Kategorie frei, um 4.50 Uhr bei leichtem Regen, es ist dunkel.

    Nein, ich hätte es mir nicht erträumt, dass wir das geschlossen reinrollen, als wäre es so alternativlos. 4 km weiter steht schließlich des Bus, vielleicht wissen das viele nicht? Sten und Robert ziehen weg, Thomas und ich hinterher, das Abstand bleibt, aber als sich Sten von Robert löst ist er weg und Robert kommt näher, wird überholt. Ich überhole Thomas, will meinen zweiten Platz in der Bergwertung ausbauen und fahre eher 95% als zügig. Oben ist wieder neblig, ständig drehe ich mich panisch um, höre das Keuchen Thomas' und sehe seine Gestalt, obwohl er viel weiter weg ist. Ich esse zwei Gels und hoffe durchzukommen, und es klappt. Gegen 6 Uhr sind wir also oben es ist wärmer als ich mir erträumt (also es ist Nebel, die Straßen Klitschnass und es nieselt, 8°C). Wir warten noch auf Thomas und gehen zu dritt in die Abfahrt, nehmen die Ausschilderung statt der Steilabfahrt und erreichen dadurch sicher und wieder halbwegs aufgewärmt die Pause. Erstmal 4 Stück Kuchen versenkt und dann in den Bus gesetzt.

    Was nun? Es werden Alternativpläne diskutiert, bei dem Wetter auf 2000 Meter zu fahren ist sinnlos, da oben sind vermutlich 3°C. Adolfsstraße, Kitzbühler Horn oder gar Zielankunft am Gerlos. Alles steht zur Auswahl, als der Regen heftig auf das Busdach trommelt und ich zitternd im Bus sitze. Es sind nicht zuletzt Jens Köppel und Thomas Rex, die immer wieder drauf drängen den Melchboden anzufahren und mentalen Druck machen, und das ist gut so.
    Wir lassen den Pass Thurn weg, das finden fast alle gut. Die Bergwertung Schwarzbachwachtsattel wird neutralisiert und bald fahren wir richtig in den Regen rein. Pass Thurn wird v.a. deshalb weggelassen, weil die nächste Pause direkt am Fuße der Abfahrt ist und wir völlig unterkühlt da ankommen würden.
    Viele Fahrer steigen aus, können sich nicht mehr zu der Aktion überwinden. Thomas, Walter und Jochen starten zwar nochmal stiegen dann aber doch aus. Nach einer ungeplanten Abstuhlpause reicht es mir, die Gruppe rollt nicht. Wir befehlen jetzt Einerreihe für die Strecke über Zell bis Mittersill und ich setzte mich an die Spitze und lehre die Gruppe ein harmonisches, gemäßigtes Tempo. Jetzt sind wir also die Finishergruppe, und wir werden das Ziel vielleicht erreichen. Ich kämpfe gegen die Müdigkeit, wenn ich nicht vorne fahre. Andere bekämpfen ihre Müdigkeit ebenso mit Führungsarbeit. In Zell wird um eine außerplanmäßige Pause gebeten, Rene sagt dass er dringd was zu essen braucht. Noch einige km vergehen bis wir das sinnvoll mit Alex Abstuhlwunsch kombinieren können. Um Zell hat es aufgehört mit Regnen, vor Mittersill beginnt es wieder. Axel kommt vor, und fragt mich warum wir zum Melchboden hoch fahren sollten. Ich muss das auch mir selber erörtern. Mir wird klar, dass wir uns ärgern werden, wenn wir es nicht probieren. Wir haben Zeit, wir haben auch genug Kleidung und einige Plätze in den Fahrzeugen für die Abfahrt nach dem Ziel. Vor allem aber würden wir uns noch lange ärgern. Mir als Streckenverantwortlicher liegt auch sehr schwer im Magen, dass wir alle mit Melchboden-Trikots rumfahren und rumfahren werden, und ihn nicht erreicht haben. Mit dem Melchboden ist als eigentlich ganz einfach, er ist alternativlos.
  • Die letzte Pause hat knackige 25 Minuten, ich kann auch nochmal kräftig abstuhlen. Außerdem rühr ich mir in einem halbgefüllten Milchtetrapack eine Glucosebombe zusammen. Ich gehe jetzt aufs ganze. Ich will Gelb. Viele Szenarien sind möglich. Robert holt Gelb und ich Rot, oder umgedreht. Toll wäre auch Rene gelb, Robert rot und ich weiß (die einzige Variante, in der Stephan kein Weiß hat, und das weiß er sicher selber, er muss fast nur finishen, und dann hat er weiß). Sten holt HC, klar. Aber wenn nicht gibt es ja auch noch Plan F: Sten verliert die Nerven und holt Gelb, dann bekomm ich HC.
    Bis zu Bergwertung bin Lars, ThomasR und ich in der Führung, dann hupt es dreimal, aber von hinten, das kann nicht sein. Sten knallt trotzdem los als geben es kein morgen. Plan F!!!!!!
    Robert erzählt mir, dass Sten angepisst sei, dass Finish auf dem Melchboden ist, dass wir uns das antun. Deshalb wolle er alles so schnell wie möglich hinter sich bringen und würde gelb holen. Wahnsinn.

    Einen Kilometer weiter steht der Rennleiter. Unser Finisher-Grupetto erreicht das Fahrzeug und auch Sten steht da, die Bergwertung muss erneut eröffnet werden, weil die Zeichen missverständlich waren. Also nochmal das ganze. Sten scheint aber nicht so angepisst wie erhofft und fährt erstmal mit Grupetto, genießt mit uns die mächtigen Krimmler Wasserfälle und zieht dann weg für die letzten Bergwertungspunkte. ThomasR löst sich auch kurz vorm Gerlos, er macht einen sehr starken Eindruck, da wird es Axel im Kampf um das Grand Master Trikot das Nachsehen haben.

    Oben steht ein ganzes Spalier, der ganz Bus jubelt uns zu. Ich zieh mir die Windjacke an, ebenso ebenso Robert, aber Alex hämmert plötzlich durch, ThomasR gleich hinterher.

    Plan X so zu sagen. Also Abschreiben würde ich Alex nie, und wenn der den Gerlos runterrammelt wie blöde und unten 10 Minuten hat, und wir uns noch verfahren, dann wird es echt sehr, sehr eng. Mit Robert, Sten und Marcel oder Lars fahren wir aber wieder ran, Axel ist auch mit dabei.
    Als ich das erste mal seit langem mal wieder richtig bremsen will, ist die Vorderradbremse aufgebraucht, es bremst gar nicht vorne. Ich kann es während der Abfahrt nochmal nachstellen, was mich zu einem glücklichen Menschen macht! Unten kann ich mich ein wenig lösen, aber einfach nur weil es mir Spaß macht!
    Denn es scheint die Sonne, schon seit der Auffahrt zum Gerlos, ja es ist richtig gutes Wetter und wir werden den Melchboden erreichen, das ist jetzt völlig klar. Was für ein herrliches Finale!
    Wir fitzen uns durch Zell, Axel und Robert halten um irgendwas auszuziehen, aber bei allem Respekt, anhalten werde ich jetzt nicht mehr. Schon sind wir im Anstieg, und schon nur noch zu dritt: Sten, Lars und ich. Der HAC zeigt 280 W bei etwa Puls 152. Die Glucosebombe und sonstige kulinarische Perversitäten haben das Blut erreicht und ich habe Druck. Kontinuierlich werde ich den Puls steigern, bis dauerhaft 161 dann im Ziel. Lars bleibt lange dran. Aber ich merke bald, dass es mir richtig gut geht, und dass das genau mein Anstieg ist: Extrem rhythmisch, nicht zu steil. Lars lässt an eine 14 % Rampe eine kleines Loch reißen. Sten, der also mein Zuschauer sein wird (er wird mich gewinnen lassen müssen, um sein hart erkämpftes Bergtrikot tatsächlich zu bekommen), versucht ihn zu motivieren, dranzubleiben. Und dass Loch wächst nicht wirklich. Ich trinke und esse Gels. Ich fürchte den Einbruch. Ich fürchte dass meine Muskulatur zu macht, fahre einiges an schneller Schlangenlinie um die Trittfrequenz hoch zu halten und treffe den perfekten Rhythmus. Ab und an rülpse und stöhne dabei, das ist immer ein gutes Zeichen dass Druck aufm Kessel ist. Sten findet das lustig.
  • Von Björn lasse ich mir noch eine Flasche Cola geben die ich aber bis oben gar nicht mehr benutze, denn die Waldgrenze ist bald erreicht. Die Mautstation, noch 3 km. Ich fürchte den Platten, bitte Sten, leih mir dein Hinterrad, wenn ich Platten habe. Ob meine telepathischen Versuche Sten je erreicht haben weiß ich nicht. 1 km vor Ziel lässt er mich ziehen, ich solle meine Fahrt allein genießen. Das mache ich. Ich denke an den vielen Regen, an Vichtenstein und Solla, die tolle Truppe und die fantastischen Helfer auf der Strecke und an den Pausen, ich denke an das Rossfeld und an Jens und ThomasR, an ihr unverständnis nicht zum Ziel fahren zu wollen. Und dann denke ich noch an die Tage in Gelb die mir bevorstehen. Ist dieses Trikot verdient? Ich denke an Sten, wie er nach belieben das Feld beherrschte, v.a. am Berg. Das Bergtrikot wird von uns auch immer wieder als HC bezeichnet. Jenseits jeder Wertung. Das Bergtrikot ist einfach das härteste Trikot überhaupt, und dem Träger gebührt maximaler Respekt. Wer HC will muss auf den Sieg verzichten. So ist das Reglement. Wenn mich die Leute also in Gelb sehen werden, dann sollen sie auch an Sten denken, dass da einer war, der hätte alles abräumen können, wenn er gedurft hätte.

    Björn und mein Pa spannen das Sachsen-farbene Band und ich fahre hindurch als allererster der Elbspitze 2012. Ich bin überglücklich, liege lange mit meinem Pa in den Armen. Ich bin stolz auf Gelb. Dieses Gelb steht für auch für meine zweiten Plätze in der Wertung des aktivsten Fahrer und der Bergwertung, und für Weiß, dass ich aber gerne auf Stephans Schultern sehe, der Kraft seiner Willenstärke bei seiner ersten Elbspitze finisht.
    Ich freue mich auch riesig für Axel und sein blaues. Schade dass Robert beim Finale nicht mehr dabei war, aber sein enormer Einsatz für das Team über die ganzen 740 km hinweg sollten nie vergessen werden.
    Einen großen Respekt an alle Finisher, diesjahr waren ganz besonders mentale Stärke und Substanz gefragt, ein echtes Langstreckenevent so zu sagen.

    Gedenken wir unser tollen Helfer, die uns 36 Stunden am Feld und in den Pausen alle Wünsche erfüllten, die auch im Regen und Kälte aushalten mussten, die aber auch im Vorfeld viel Kraft und Mühe in unsere Elbspitze gesteckt haben. Vor allem aber haben sie ebenso den Geist und die Leidenschaft der Elbspitze weitergetragen. Ohne Leidenschaft macht das Leben wenig Sinn und ich bin überglücklich diese Leidenschaft bei der Elbspitze mit so vielen Menschen teilen zu können!
    In dem Sinne schaue ich nach vorn auf die nächste Elbspitze, ein Jubiläumstour mit der ein oder anderen Besonderheit!
  • Gänsehaut... vielen Dank dafür!!!

    R
  • wie ist es eigentlich Christ IAN ergangen ?
  • Vielen vielen Dank für diesen Bericht und die damit verbundene erste Perspektive auf den gesamten Trubel der Fahrt.
    Ich bin nun auf jeden Fall wieder für echte Langstrecken animiert und hoffe, dass sich bei mir mal wieder eine Teilnahme an der ES ergibt - es gibt doch nichts Herrlicheres, als von Regen und nächstes Jahr von ein paar Lawinen durch die Alpentäler gespült zu werden. Nun gut, die Lawinen müssen nicht unbedingt sein, aber es wäre schon geil, wenn ich die Truppe nächstes Jahr begleiten könnte. Vielleicht sogar mit meinem geliebten Olmo, meinem Speedy Gonzales, wenn ich es dem Kumpel denn zutrauen kann, bruchsicher durchzustehen.

    Ich hoffe sehr, dass du dich jetzt nicht zu sehr verausgabt hast, damit du heute Nachmittag noch nen guten Tourenklaus abgeben kannst. :-)

    Lass´s knuspern
  • @Degga: Toller Bericht! Hochinteressant auch für mich und Ansporn, auch mal aus der Hinterherfahrersicht zu schreiben, Bedarf nach dieser Art Information scheint ja hier zu bestehen.
  • „Ein Trikot hast du sicher“ meinte Sirko das Wochenende vor der Elbspitze beim letzten harten Bergtraining Krupka, Wittichbaude, Dlouha Louka. Zweifel daran hatte ich auch nicht wirklich, denn die Leistungsfähigkeit war so gut wie noch nie, die Frage war nur welche Farbe. Außer Blau war alles im Bereich des Möglichen. Die Renntaktik war ziemlich offen. Plan war zunächst natürlich das HC-Trikot. Am besten in Moldava die 10 Punkte holen, damit man Plasy auslassen kann, der Rest wird sich zeigen. Doch nach Plan lief nicht viel bei der Elbspitze. Der Start an der Frauenkirche, kein Signal vom Puls auf der Anzeige. Bin ich doch dieses Jahr jeden Radkilometer mit „Puls“ unterwegs gewesen. Nun musste es ohne gehen. Bis zur ersten Bergwertung stieg die Anspannung. Dann ging’s los in Rehefeld. Sofortige Attacke, Sten erstmal im Feld eingebaut und Sirko folgen mit ein paar Metern Abstand und schlossen aber bald auf. Thomas, Rene schon weit weg. Da ging es zu dritt im zügigen Tempo nach Moldava. Sirko musste im Steilstück passen, nachdem Sten das Tempo verschärft hat. Zu zweit ging es in den immer dichteren Nebel über die Grenze nach Moldava. Sten setzte die entscheidende Attacke, war 30 m weg, im Nebel kaum noch zu sehen und holte sich verdient die 10 Punkte. Schnell Getränke nachgefüllt und ab ins Böhmische Becken. Da war ich plötzlich mit F-Alex in der Führung und es fuhr sich sehr angenehm. Noch war der Wind nicht wirklich spürbar. In Branany verabschiedete ich mich von der Spitze und Sirko übernahm. Alex sollte noch etliche km ein sehr zügiges Tempo vorgeben. Der Wind frischte immer mehr auf. Und es lief hinter Most nicht mehr wirklich gut in der Gruppe. Der Wind zu stark von der Seite, die schwächeren Fahrer ohne Windschatten. Die Geschwindigkeit im Mittel deutlich unter 30km/h, die Temperatur dafür nahe der 30°. Die Kilometer bis zur ersten Pause wollten nicht weniger werden. Doch irgendwie wurde der erste Abschnitt doch noch geschafft und wir lagen sogar noch vor dem Zeitplan. Der Wind machte nicht nur uns zu schaffen, sondern auch den fleißigen Helfern, die Probleme hatten, die Schnitten und Pappteller auf den Tischen zu halten. Bei der Punktevergabe stellte ich erstaunt fest, dass ich für den ersten Abschnitt schon 5 Punkte fürs Rote gesammelt habe. Alex hatte verdiente 12 Punkte bekommen. Weiter ging es also in Richtung Plasy. Sinnlos-5 Punkte-Bergwertung. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Sten+Addict=Unschlagbar war nach Moldava schon abzusehen. Jens machte gut Druck und fuhr den Bergsprint an, ich hängte mich spaßeshalber in den Windschatten und ging mit. Sirko wollte nicht, also war wieder Sten und ich an der Spitze. Mit dem Gewissen nur 2 Punkte zu verlieren, schonte Sten seine Kräfte und ließ mich gewähren. Ich holte mir also die 5 Punkte in Plasy.
    In Richtung Böhmerwald lief es endlich harmonischer im Feld. Nur die Wolken wurden dunkler, doch dieses Jahr hatten wir Glück und bis Salzburg sollte das Wetter annähernd perfekt sein.
  • Bergwertung Böhmerwald. Schnell war die Spitzengruppe dezimiert auf 6 Mann. Eine letzte halbherzige Attacke von mir. Rene, Sten und Sirko nicht abzuschütteln. Nein, das Bergtrikot macht keinen Sinn. Von hier an überließ ich Sten das HC-Trikot kampflos. Ich machte ruhig und von hinten schlossen bald Thomas und Sebastian auf. Entspannt rollten wir zur Bergwertung. Gemeinsam mit Hubertus, Walter, Sebastian und Alex ließen wir es nach Bayerisch Eisenstein rollen. Dort wurde lecker Kartoffelsuppe gekocht. Zwei Teller und 5 Würstchen waren schnell verdrückt, die quitschende Kette geölt und schon tutete es 3 mal zum Start. Ab in den Wind, der es ab jetzt gut mit uns meinte. Alex war ebenfalls wieder an der Front und leistete bis Passau 99% Führungsarbeit. Sella wurde zwischendurch einfach mitgenommen und aus den hinteren Reihen der Kampf um die Bergwertung bestaunt. Schöner Anstieg. Thomas noch angefeuert endlich mal Sten zu besiegen - vergebens. Keine Chance, niemand. Den 400-600 Watt Antritten kann keiner folgen. Am Abend die B85 nach Passau rollte verdammt gut. Die Zufriedenheit im Feld war spürbar. Umso überraschter war ich von Jens Ausstieg zur Abendpause. Mit Blick auf die weitere Strecke wurde es mir aber auch anders. Ich war fest überzeugt im nächsten Abschnitt würden mit Vichtenstein und Rossfeld zwei harte Bergwertungen anstehen. Die Nachtpause hatte ich gedanklich schon komplett verdrängt. Aber so war das alles relativ einfach zu etragen. Auf der Punktetafel lag ich bei Rot immer noch auf Platz 2. Das hatte ich so nicht erwartet. Langsam hielt ich die Variante auf das Rote Trikot zu fahren für sehr realistisch. Alex hatte zwar einen riesigen Vorsprung, aber es war ja gerade erst Halbzeit und noch nichts entschieden. Die 400 hm in Vichtenstein ein Grupetto mit Enno, Steffen und Alex gebildet. Dann kam meine Zeit. Noch 70km bis zur Nachtpause. Die 5 Stück Eierschecke + 1 Stück Streuselkuchen zeigten Wirkung und gaben mir die Energie im flachen Österreich das Tempo zu machen. Immer weiter km für km durch die Nacht bei leichtem Gegenwind. Kein Verkehr, von hinten kaum nervende Rufe das man zu schnell fährt, die Ruhe der Nacht genießend, wohlwissend, dass in den Alpen einen die Hölle erwartet. Die Wettervorherage für Berchtesgaden war schlimm, doch noch war es nicht soweit. Erstmal die Nachtpause. 3 Teller Nudeln. Sehr lecker, so dass ich wahrscheinlich das Kauen etwas zu sehr vernachlässigt habe. Die restliche Pausenzeit musste auch irgendwie rumgebracht werden, also habe ich mich für 20 min hingelegt. Total sinnlos, wenn man nicht schlafen kann. Danach ist die Motiviation immer am Tiefpunkt. Außerdem hatte ich plötzlich ein paar Probleme mit der Verdauung. Im Liegen rutschten die Nudeln anscheinend nicht so richtig durch den Magen. Teilweise waren das richtige Schmerzen, aber sich Übergeben ist kein Ausweg, die Energie für das anstehende harte Programm ist wichtig. Nach der Punktevergabe hatte ich nur noch 3 Punkte Rückstand auf Alex. Mein Ziel war jetzt klar: Alles auf Rot. Wenns geht 50 km Führungsarbeit bis nach Salzburg und damit die Jury beeindrucken. Und es ging. Walter war lange neben mir in der Führung und musste immer etwas eingebremst werden, das nervte mich etwas. Vor Salzburg begann die Nässe. Auf der Abfahrt nach Salzburg musste man sehr aufpassen. Blendender Gegenverkehr und nasse Brille, teilweise sah ich da kaum noch was oder ich sah schon einen Kreisverkehr oder eine rote Ampel wo keine war und bremste mitten auf der Geraden. Hoffe das hatte im hinteren Teil des Feldes keine zu großen Auswirkungen, wobei die Bremswirkung eh gegen null ging. Früh um vier durch Salzburg, so richtig wusste keiner wo es lang ging. Aber Alex hatte zur rechten Zeit einen Platten, genau da wo wir in die falsche Richtung gefahren sind. Glück im Unglück. Nun begann es stärker zu regnen. Die Stimmung wurde schlechter. 15 km bis zum Rossfeld, die Bergwertung schlechthin. 1000hm mit 10%. Darauf hatte ich überhaupt keine Lust. Aber mein Vorschlag das Rossfeld im Kollektiv auszulassen fand zum Glück kein Anklang. Und schon steht man in der 10km langen Rampe. Den ersten km bin ich da noch vorne gefahren, Sten löste sich aber bald. Er wollte unbedingt den Sieg am Rossfeld, es war die Bergwertung auf die er sich am meisten gefreut hat. Thomas und Sirko zogen dann wenig später auch vorbei. Ich nahm immer mehr Druck vom Pedal, fuhr einfach so entspannt wie möglich hoch. Wahrscheinlich war mein Puls am Rossfeld niedriger als auf den flachen 100 km davor. Nach und nach überholten mich fast alle. Mit 34:29 und Schlängellinien versuchte ich den Berg etwas flacher zu machen und Kraft zu sparen. Ich fragte mich nur, warum die anderen sich hier für nichts so schnell hochquälen. Oben endlich angekommen, gab es vom Rennleiter Eckart wärmende Tapete für die Abfahrt.
  • Mit Axel und Hans ging es gemeinsam nach unten. Ganz üble Abfahrt bei Nässe. Wir nahmen noch den falschen Abzweig und fuhren wieder zum Start des Anstiegsbeginn. Also mussten wir noch zusätzliche km durch das Tal nach Berchtesgaden fahren. Aber alles nicht schlimm. Wieder super Verpflegung, persönliche Betreung von Maurice, Annina und Carsten. Im Bus und mit Decke war es gut auszuhalten. Der Regen wurde immer stärker und fast alle ließen sich davon beeidrucken. Über alles wurde diskutiert. Letztlich hat aber die Vernunft gesiegt und Melchboden wurde als Ziel angesteuert, wenn auch auf etwas leichterer Route über Zell am See nach Mittersil anstelle dem Pass Thurn. Da Alex am Rossfeld die Elbspitze beendet hatte, war mir das Rote Trikot so gut wie sicher. Ankommen, die einzigste Bedingung für Rot und zu diesem Zeitpunkt Motivation genug auch dem Regen zu trotzen. Um die 16 Fahrer stellten sich noch dem Schlussteil. Nach dem Schwarzbachwachtsattel und einer Klopause am Unkenpass, waren es nur noch 12. In Richtung Saalfelden folgten für mich die schlimmsten km. Die ganze Nacht hatte ich keine Probleme mit der Müdigkeit, aber jetzt war mein Kreislauf ziemlich am Ende. Wahrscheinlich war einfach der Puls zu niedrig. Am Ende des Feldes hatte ich Probleme dem niedrigen Tempo zu folgen und ich freute mich schon als jemand sagte, es gäbe einen Reifendefekt. Leider eine Falschinformation, weiter geht es. Da hilft nur eins. Vorn fahren und Brille abnehmen. Dinge ändern um der Langeweile zu entfliehen und den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Schnell einen Zwischensprint eingelegt und schon war wieder alles in Ordnung. Alles bis auf der Magen und die Speiseröhre. Die Waffeln und Schokoriegeln verursachten brennen. Die Cola schmeckte auch eher besch... und machte so gar nicht süchtig. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es Cola mit Süßstoff und ohne Zucker war! Keine Ahnung ob es einen Zusammenhang zwischen Sodbrennen und Süßstoff gibt. Zur letzen Pause habe ich noch eine Tafel Schokolade gegessen. Das ging wieder ganz gut. Für mehr war in den letzen 20min Pause auch nicht Zeit, schon musste man wieder in die Pedale einklicken. Der Regen hatte seine Spuren hinterlassen. Seit über 30 Stunden hatte ich nasse Füße, die Haut war aufgequollen und schmerzempfindlich, als würde sie gleich reißen. Gerade die ersten Meter nach den Pausen taten immer besonders weh. Aber alle waren gezeichnet. Ok, alle außer Sten, der frisch wie immer wirkte. Der ursprüngliche Plan von mir war ja soviel Kraft fürs Finale zu sparen, um da noch eine sehr gute Leistung bringen zu können. Aber zum einen war durch die ersten Bergwertungen, die ich voller Leistung gefahren bin und die viele Führungsarbeit in der Nacht, der Akku schon ziemlich leer und zum anderen war da Sten, einer der Gelb nicht wollte, aber im Finale eben immer noch seine 300 Watt bringen kann, wenn er will. Da war ich also sehr zufrieden mit dem erkämpften Rot. Das Trikot, was mir in dem Moment mehr wert war, als das Gelbe, von dem Weißen will ich gar nicht erst anfangen zu reden. Schade, dass Alex nicht ins Ziel gekommen ist, er hätte es verdient.
    Der Gerlospass wurde also geschlossen im Grupetto gefahren, nur Sten konnte nicht so langsam. Das Finale auf den Melchboden zu beschränken war die richtige Entscheidung. Schöne Blicke auf die Krimmler Wasserfälle und endlich wieder trockene Straßen. Auf der Passhöhe erwarteten uns alle Helfer und auch alle Fahrer die bisher ausgestiegen sind. Das war ein super Moment. Doch plötzlich Hektik auf der Passhöhe, Sten wartete hier oben doch noch und allen war klar, dass das Gelbe Trikot noch zu vergeben ist. Naja, mir war das egal. Nach der Abfahrt ging es mir mal wieder nicht so gut. Wieder der Magen. Ich konnte nur noch Bananen essen und reines Wasser trinken. An Cola und Süßkram konnte ich nicht mehr ran. In Zell nocheinmal die Verpflegung in Anspruch genommen und Wasser und eine Banane nachgetankt. Axel führte mich dann in den Melchboden. Ich wollte mein Tempo fahren. Einfach oben ankommen. Ohne kalorienreiche Ernährung musste ich sehr aufpassen nicht noch einen Hungerast zu bekommen und das Ankommen zu gefährden.
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